Wenn die Intonation nicht (mehr) passt

Stimmen der Panflöte

Panflöten müssen – wie jedes andere Instrument auch – von Zeit zu Zeit gestimmt werden. Hierzu gibt es je nach Panflöte verschiedene Möglichkeiten.

von Christian

Eine Panflöte kann mit Korkstopfen, Gummistopfen oder mit Bienenwachs gestimmt werden. Die Stopfen lassen sich meist leicht verschieben; bei Bienenwachs ist das Prozedere komplizierter.

Was viele Menschen nicht wissen: Ja, man kann Panflöten stimmen. Das sollte man auch (in der Einsteigerklasse) durchaus mindestens einmal tun, denn die Originalstimmung der Panflöten ist dort fast nie zu gebrauchen.
Da kann die Panflöte noch so viel "elektronisch gestimmt" sein; es gibt immer etwas, was nicht gut passt. Insbesondere bei Plaschke und Gewa-Panflöten ist die Anfangsstimmung einfach nur unbrauchbar.

Die Tonhöhe (Frequenz der akustischen Schwingung) ist übrigens ausschließlich von der Rohrlänge abhängig. Der Durchmesser beeinflusst die Höhe des Tones nicht.
Allerdings kann man mit dem Durchmesser die Nebenklänge und die Leichtigkeit der Tonansprache kontrollieren. Daher haben tiefe Rohre (mehr Luft nötig) einen größeren Durchmesser.

Stimmen mit Bienenwachs

Hochwertige Panflöten stimmt man mit Bienenwachs.
Das Wachs wird im Wasserbad angewärmt, und als formbare Masse ins Rohr gegeben. Anschließend wird mit einem Stimmstab (meist ein speziell angefertigter Holzstab) das Wachs unten am Rohr verteilt und gleichmäßig festgedrückt.

Wenn der Ton zu hoch ist, muss man etwas Wachs entfernen.
Zu diesem Zweck haben die Stimmstäbe eine abgekantete Seite (=Schaber), mit denen man überschüssiges Wachs rauskratzen kann.
Und wenn ich rauskratzen sage, dann meine ich: Sanft und gleichmäßig die Wachsschicht abtragen!

Wenn das Bienenwachs flächig unten im Rohr aufgetragen wurde und das Rohr wirklich bündig und dicht abgeschlossen ist, klingt der Ton voll und klar. Und hoffentlich in der richtigen Tonhöhe, wie man es sich wünscht.

Du hast ja sicher mal Flaschenblasen ausprobiert: Je mehr Flüssigkeit in der Flasche ist, desto höher ist der Ton.
Bei der Panflöte läuft das ganz ähnlich ab.

Stimmen mit verschiebbaren Propfen

ein runder, dünner Korkstopfen liegt auf einem Tisch. Daneben erkennt man einige Rohre der Panflöte
Der runde, sehr dünne Korkstopfen ist exakt gefertigt und schließt die Panflöte sehr gut ab

Bei Einsteigerpanflöten gibt es zum Glück eine einfachere und schnellere Art der Stimmung:
Die Rohre dieser Panflöten sind nämlich unten mit einem Propfen (meist Gummi- oder Korkstopfen) verschlossen. Durch Verschieben dieses Propfens lässt sich die Panflöte stimmen.

Dies geht sehr einfach, man braucht nur einen Holzstab und ein Stimmgerät. Verschiebt man den Stopfen nach unten, wird der Ton tiefer, verschiebt man ihn nach oben, wird er höher.

Wenn der Ton nach dem Stimmen enorm rauscht, schließt der Stopfen nicht dicht.
Dann kann man z.B. mit etwas (geschmacksneutralem) Öl nachhelfen; das Öl öffnet die Poren (insbesondere bei Bambus, weniger bei lackiertem Ahorn) und dichtet alle Unebenheiten, Zwischenräume oder Mikrorisse ab. Der Ton wird gleich viel satter und voller.

Bei Panflöten, die mit Bienenwachs gestimmt sind: Bitte versuche niemals, hier irgendetwas zu verschieben oder zu stopfen.
Freue dich lieber an der schönen Erkenntnis: Das Stimmen ist zwar deutlich aufwändiger, aber das Resultat ist anschließend auch hochwertiger

Den Tonraum der Panflöte optimal ausnutzen

Meine Panflöten auf meinem Musikregal: Von F-Dur bis D-Dur ist alles dabei.

Ich besitze eine Vielzahl unterschiedlicher Panflöten in unterschiedlichen Stimmungen.

C-Dur und G-Dur sind die Standardtonarten – die meisten Panflöten werden in diesen Tonarten produziert und ausgeliefert.
Da ich aber auch viele Lieder in D-Dur oder d-moll spiele, habe ich auch einige meiner Panflöten nach meinen Bedürfnissen umgestimmt.

Klar kann man auf einer Panflöte prinzipiell alle Tonarten durch Halbtonerniedrigung spielen (Einklappen der Rohre bzw. halbes Überlappen mit der Unterlippe. Das ist ein ganzes Kapitel für sich).
Aber wenn ich z.B. Es-Dur spiele, dann ist es viel einfacher, die F-Dur-Panflöte zu verwenden (H -> Bb) und nur noch zwei Töne (Es, As) niedriger spielen zu müssen. Bei einer G-Dur-Panflöte müsste man hier stattdessen vier Töne erniedrigen (F, Bb, Es, As).
Zwei meiner Solist Ahorn-Panflöten (D-Dur, F-Dur). Da sie sehr preisgünstig und widerstandsfähig sind, nehme ich sie gerne auf Reisen mit. Und es ist auch gar nicht so schlimm, wenn andere Leute darauf unterschreiben ;)

So brilliant und hell Panflöten klingen: Hohe Töne können schnell schrill und quietschig werden. Außerdem ist es (insbesondere bei günstigeren Instrumenten oder unzureichender Lippenspannung) höllisch schwer, die Intonation perfekt hinzubekommen. Die Töne erklingen dann oft zu hoch oder zu tief – oder auch einfach nur schrill und zu laut.

Deshalb verwende ich die allerhöchsten Töne so gut wie nie.

Gleichzeitig liebe ich es, tiefe, rauchige Töne mit der Panflöte zu spielen. Sie klingen sanft und voll, wie eine tonale Umarmung.
Und bei meiner Bass-Panflöte spiele ich die tiefsten Töne entweder voll, überblasen oder auch nur ganz leicht angedeutet, ein zärtliches Versprechen.

Gerade hier ist es unglaublich hilfreich, noch den einen oder anderen tieferen Ton in petto zu haben.

Darum habe ich es mir angewöhnt, Panflöten die leicht stimmbar sind (d.h. mit verschiebbaren Stopfen) immer so tief wie möglich zu stimmen. Wenn ich bei einer Panflöte die tiefe Quinte (bei G-Dur z.B. ein d) erhalten kann, dann eröffnen sich mir viele Lieder, die ich sonst nicht in dieser Tiefe hätte spielen können.

Aber auch schon der Halbton tiefer (von g auf fis) ist meiner Bass-Panflöte Gold wert. Wie häufig habe ich diesen Ton schon gebraucht, um den Grundton zu umspielen!

Tipp: Es gibt grundsätzlich zwei Vorbedingungen, um eine Panflöte tiefer stimmen zu können:

  1. Die Stopfen (Gummi oder Kork) müssen verschiebbar sein und auch an gewünschter Position fest verschließen.
    Panflöten, die mit Bienenwachs gestimmt werden, haben häufig zusätzlich unter der Wachsschicht einen Propfen drin. Dieser ist aber nicht dafür gedacht, verschoben zu werden. Hier solltest du keine Experimente wagen.

  2. Die Rohre müssen lang genug sein, um die tiefen Töne ermöglichen zu können. Hierfür gibt es eine Umrechnungsformel (Frequenz zu Rohrlänge, vereinfacht: Rohrlänge (in cm) = 8575 / Frequenz (in Hertz)).
    Für den Kammerton A (eingestrichenes a', 440 Hz) muss ein Rohr mindestens 19,49 cm lang sein. Für ein um eine Oktave tieferes g (196 Hz) brauchen wir eine Rohrlänge von 43,75 cm.
    Bitte rechne immer einen Puffer für den zusätzlichen Platzbedarf des Stopfens mit ein. Häufig ist auch das zweittiefste Rohr der limitierende Faktor.

Häufigkeit des Stimmens

Gitarren oder Querflöten muss man vor jeder Benutzung stimmen. Klaviere etwa viertel- bis halbjährlich (sagt zumindest unser Klavierstimmer ). Aber wie häufig muss man Panflöten stimmen?

Die Antwort lautet: Kommt darauf an.

Panflöten sind nicht so anfällig für Temperatur­schwankungen wie andere Holzblasinstrumente oder Streichinstrumente. Wenn sie bei moderaten Temperaturen gelagert, transportiert und gespielt werden, hält sich die Verstimmung in Grenzen. Auch die Dauer des Spielens hat nur minimalen Einfluss auf die Tongenauigkeit:

Theoretisch würde eine Panflöte bei längerem Spielen (=das Rohr wird durch die Atemluft erwärmt) ein kleines bisschen tiefer klingen, da sich das Rohr in der Länge (und im Durchmesser) ausdehnt. Praktisch habe ich aber noch nie so einen Effekt feststellen können.

Minimale Schwankungen der Tonhöhe können durch die Anblastechnik und den Anblaswinkel ausgeglichen werden – mit etwas Übung und gutem Gehör geht das ganz intuitiv. Meistens liegt es also eher am Mundansatz und an der persön­lichen Tagesform, ob die Töne sauber intoniert sind oder nicht.

Ich selbst habe es noch nie erlebt, dass einzelne Töne einer Panflöte verstimmt wären. Sehr selten (etwa alle 2-5 Jahre) stimme ich meine Panflöten nach. Ich habe aber auch Panflöten die ich noch nie stimmen musste.

Hin und wieder stimme ich meine Reisepanflöten (Ahorn­panflöten mit verschiebbaren Gummi­stopfen) auf eine andere Tonart (z.B. wenn jemand wie oben erwähnt auf die bescheuerte Idee kommt, ein Lied in Es-Dur spielen zu müssen ). Aber meist reicht es ehrlich gesagt vollkommen aus, mit der Panflöte einfach Halbtöne zu spielen.

Hast du noch eine Frage zum Stimmen von Panflöten? Dann melde dich gerne bei mir.

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