Meine Poetry Slam-Karriere

Poetry Slam – Meine Geschichte

Von 2010 bis 2013 war ich aktiver Poetry-Slammer in Franken. Hier erfährst du eine kurze Geschichte meiner Erlebnisse.

von Christian

Auf der Bühne und mitten im Text

Warst du schon einmal auf einem Poetry Slam?
Ich empfehle dir auf jeden Fall, das zumindest einmal erlebt zu haben.

Ein Poetry Slam (neufränkisch: Boätri Schlämm) ist ein Dichterwettstreit.
Poeten (im weitesten Sinne ) kämpfen hier mit ihren Texten um die Gunst des Publikums.
Denn das Publikum entscheidet, welcher Slammer am Ende als Sieger nach Hause geht.

Die selbstgeschriebenen Texte, die du in einem Poetry Slam hören kannst, könnten unterschiedlicher kaum sein. Von tiefgründigen Tagebucheinträgen über humorvolle Anekdoten bis hin zu eloquent gereimten Epen ist alles dabei.

Ähnlich vielseitig kann auch die Aussage eines Poetry Slam Textes sein. Quatsch und Blödelei wird genauso eine Bühne geboten wie harter Gesellschaftskritik.

Mein Weg zum Poetry Slam

Es fing damit an, dass mein Freund Armin mich 2010 zu einem Poetry Slam mitnahm – und er kurze Zeit später selber mit einem eigenen Text auf der Bühne stand. Natürlich musste ich ihn begleiten, anfeuern (und hinterher auslachen, denn normalerweise ist der allererste Text nicht ganz so die Wucht).

Bei dieser wichtigen Aufgabe (die ich natürlich sehr ernst nahm – insbesondere den letzten Teil ) sprach ich ihm dann auch großspurig Mut zu: „Wenn du innerhalb eines Jahres noch nicht gewonnen hast, stell ich mich mal auf die Bühne und zeig dir, wie man es richtig macht!

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Bei diesem Poetry Slam in Nürnberg konnte ich auch mal hinter die Kulisse (neudeutsch: Backstage) schauen und lernte die anderen Slammer kennen.

Ich war sofort zutiefst bewegt von der freundschaftlichen Gemeinschaft (neudeutsch: „Slamily“) der Kontrahenten.
Es ging hier überhaupt nicht ums Gewinnen. Sondern eigentlich nur darum, auf der Bühne zu stehen, Bier zu trinken und sich im gutmütigen Wettbewerb zu messen (Leider ist das wohl nicht überall entspannt so wie im beschaulichen Franken ).

Beeindruckt von dieser Gemeinschaft und noch mit dem typischen, merkwürdigen Slam-Betonungssingsang im Ohr fuhr ich nach Hause... und habe noch in derselben Nacht (3:00 – 6:30 Uhr) meinen ersten (und auch bis heute erfolgreichsten) Slamtext „Wegwerfgesellschaft“ verfasst.

Meine ersten Schritte

Kurz darauf stand ich das erste Mal auf der Bühne.
Aufgeregt und voller Adrenalin stellte ich meine zwei ersten Texte vor (einer albern, einer zutiefst gesellschaftskritisch) – und landete direkt auf dem zweiten Platz.

Nachdem ich anschließend noch ein bisschen an meinen Texten rumgefeilt hatte, folgte auch schon bald die erste Erstplatzierung.

Aber wie gesagt: Es ging niemals wirklich ums Gewinnen (obwohl es natürlich immer wieder sehr schön war, so tolles Feedback vom Publikum zu erhalten). Die Gemeinschaft und das gemeinsame Biertrinken hinter der Bühne, das gegenseitige Anfeuern und Tipps-Geben machte die Poetry Slams zu ganz besonderen Erfahrungen.

Und natürlich nicht zuletzt das herzliche Publikum, das sich in meinen Texten bereitwillig auch mal anschreien und beleidigen ließ

Meine Texte

Ich habe mittlerweile über fünfzig Slam-Texte geschrieben (Davon waren vielleicht zehn wirklich gut ).
In meinen Texten konnte ich ganz viel Unterschiedliches ausprobieren:

Ich habe Quatsch-Texte über den Herbst oder den Problembär Bruno verfasst.
Ich habe gesellschaftliche und technologische Themen aufgegriffen und sie dem Publikum eloquent und bühnenwirksam an den Kopf geschmissen.
Ich konnte auch mal hemmungslos harsche, beleidigende und laute Worte verwenden oder Situationen schildern, die mir eigentlich viel zu intensiv waren und mir voll unter die Haut gingen (Und ja, dem Publikum ging es da ganz ähnlich ).

In meinen Texten (insbesondere den harten, anklagenden und besserwisserischen) spielt immer auch eine große Portion Selbstironie und Selbstkritik mit.

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Wenn ich auf der Bühne stehe und brülle: „Und IMMER müsst ihr euch lautstark beschweren“, dann merkt hoffentlich jeder, dass ich mich von dieser harten Kritik selbst nicht ausnehme.
Mein Ego und ich sind genauso ein Teil dieses Problems. Das merke ich auch zehn Jahre später immer noch sehr deutlich.

Daher war es für mich eine unglaublich bereichernde Erfahrung, Bühnenpräsenz und Privates zu trennen (oder auch manchmal zu verbinden) und meine Komfortzone zu verlassen.


Alle meine Texte sind gereimt. Das war mir einfach wichtig.

Anstatt eines festen Versmaß-Korsetts habe ich die meisten Texte und Reime frei an meine Sprechrhythmik angepasst.
Ich habe Wert darauf gelegt, dass beim Vortragen meine Texte locker und frei fließen und sie nicht gestelzt oder konstruiert klingen.

Außerdem war mir wichtig, meine Texte auswendig vorzutragen.
Nur selten habe ich das rettende Textblatt aus der Gesäßtasche ziehen müssen

Durch das konsequente Auswendig-Lernen konnte ich die Texte flüssig (und immer innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits ) vortragen, direkten Blickkontakt zum Publikum aufbauen und hatte auch noch beide Hände zum Gestikulieren frei.

Dieses intensive Feilen an den Texten, das Reimen, die Rhythmik und das Auswendig-Vortragen war nicht selbstverständlich in der Poetry-Slam-Szene.
Dadurch hatte ich ein Alleinstellungsmerkmal und hob mich von den "vom-Blatt-Ablesern" ab.

Meine häufigen Teilnahmen im Finale und meine Platzierungen zeigten mir, dass das Publikum das wohl ganz ähnlich sah

Meine Auftritte

Unter dem Künstlernamen „der da“ (ja, du darfst mich beugen ) stand ich von 2010 bis 2013 auf der Bühne.

Außerdem haben mein Freund Armin und ich als Team ADS gemeinsam die Bühne gerockt.
Zusammen waren wir beide nicht ganz so gesellschaftskritisch unterwegs. Dafür haben wir aber hemmungslos Quatsch gemacht. Das war ein Spaß


Im Oktober 2013 folgte dann mein vorerst letzter Auftritt.
Beim Slam habe ich gesagt, was ich zu sagen hatte.

Ich habe mich entschlossen, meine Zeit und Kreativität anderen Dingen zu widmen (z.B. christlichen Kompositionen) und mache die Bühne frei für andere.

Zurück bleibt eine große Dankbarkeit für diese tollen Erfahrungen.
Dass ich mich ausprobieren durfte, dass das Publikum so präsent und warmherzig war und dass ich als ein Teil der "Slamily" so selbstverständlich aufgenommen und willkommen geheißen wurde.

Danke auch an Armin, der mich begeistert und mitgerissen hat und mit dem ich auf der Bühne auch mal einfach nur locker und albern sein konnte.

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